STORIES BERATUNGSSTELLE FÜR FAMILIENPLANUNG, SCHWANGERSCHAFT UND SEXUALITÄT

Sie sind geplant oder ungeplant schwanger und mit vielen Fragen konfrontiert? Oder Sie sind ungewollt kinderlos? Sie wohnen im Kanton Thurgau? Die folgenden Stories erzählen anonymisierte jedoch wahre Geschichten betroffener Personen.

Claudia 19

Claudia Familienplanung

Die Verantwortung war zu gross.

Vor drei Monaten ist unser Sohn Diego zur Welt gekommen. Er war kein Wunschkind, aber wir haben uns für ihn entschieden. Ich bin im dritten Lehrjahr. Mein Freund Kevin ist 26. Er war lange Zeit arbeitslos. Seit einigen Wochen hat er wieder eine Festanstellung. Noch fünf Monate bis zu meinem Lehrabschluss! Diese Monate würden finanziell sehr knapp werden, das war uns bewusst. Auch die psychische Belastung mit Lehrabschluss, Arbeit, Schule und Baby würde hoch sein. Aber wir wollten es schaffen. Diegos Lächeln gab uns Mut.

Nun ist Kevin weg. Er hat uns alleine gelassen. Die Verantwortung war zu gross für ihn. Er hatte viele Schulden. Das wusste ich nicht. Ich bin so verzweifelt. Wie soll ich das alleine schaffen?

Viviana 17

Viviana Familienplanung

Sie würden mich verstossen.

Seit einem Jahr kenne ich Oliver. Er ist gleich alt wie ich. Wir sind ein Paar. Unsere Beziehung müssen wir geheim halten. Meine Eltern wollen nicht, dass ich mich mit einem Schweizer Jungen treffe. Ausserdem finden sie, ich sei noch zu jung für einen Freund. Nun bin ich schwanger. Es ist ein Schock. Oliver ist lieb. Er will mich unterstützen. Er sagt, wir schaffen das. Er möchte mit meinen Eltern sprechen.

Ich bin hin- und hergerissen. Meine Eltern werden mich verstossen. Ich habe die Ehre meiner Familie beschmutzt. Ich kann mit niemandem sprechen. Jede Nacht weine ich. Ein Schwangerschaftsabbruch ist eine Sünde. Dennoch entscheide ich mich dafür. Ich kann ohne meine Familie nicht leben. Ich kann ihnen das nicht antun, ich liebe sie. Oliver kann meinen Entscheid nicht verstehen.

Petra 43

Petra Familienplanung

Ein Kind mit einer Behinderung?

Ich bin in der zwölften Woche schwanger. Mein Partner und ich haben uns so sehr ein Kind gewünscht. Nach zwei Fehlgeburten und langem Warten hat es nun endlich geklappt. Wir sind überglücklich. Der erste Trimester Test gibt keinen Anlass zur Beunruhigung. Dennoch entscheiden wir uns aufgrund meines fortgeschrittenen Alters für einen zusätzlichen Bluttest. Das Resultat ist niederschmetternd. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21.

Für mich bricht eine Welt zusammen. Für meinen Partner ist klar, «ein Kind mit einer Behinderung, das schaffen wir nicht».Wenn ich diese Schwangerschaft abbreche, werde ich kein Kind mehr bekommen. Was soll ich tun? Ich bin verzweifelt.

Natascha 31

Natascha Familienplanung

Ich möchte ein Kind haben. Jetzt.

Wir sind seit sechs Jahren ein Paar. Vor zwei Jahren haben wir geheiratet. Von Anfang an war uns klar: Wir möchten Kinder. Jetzt bin ich am Boden zerstört. Seit unserer Hochzeit probiere ich schwanger zu werden. Viele meiner Freundinnen sind schwanger oder haben bereits Kinder. Meine Schwägerin bekommt in zwei Monaten ihr erstes Kind – und ich werde Tante. Ich kann mich überhaupt nicht darauf freuen.

Wir waren beim Arzt und haben uns untersuchen lassen. Die Resultate geben keinen Anlass zur Beunruhigung. Mit einer Hormontherapie zu beginnen, findet der Arzt zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Silvio sieht das genauso. Er sagt, ich solle uns Zeit geben. An meiner Arbeitsstelle bin ich nicht besonders glücklich. Dennoch möchte ich jetzt die Stelle nicht wechseln, da ich ja ein Kind haben will. Meine Gedanken kreisen Tag und Nacht um unseren unerfüllten Kinderwunsch. Ich merke, ich bin unglücklich. Und wir streiten uns immer öfter.

Alex 24

Alex Familienplanung

Ich als Vater?

Seit einem halben Jahr sind Catja und ich ein Liebespaar. Sie studiert, wie ich, an der Uni. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir fühlten uns wie im siebten Himmel. Die Wochentage sind meist ziemlich stressig – mit Vorlesungen, Sport und Nebenjob zum Geldverdienen. Manchmal sehen wir einander nur kurz am Morgen. Sonntags dagegen stehen wir gerne früh auf. Wir setzen uns dann ganz diszipliniert in die Uni-Bibliothek und lernen. Dafür können wir den Nachmittag zusammen am See oder mit gemeinsamen Freunden verbringen. Wir hatten schöne Monate zusammen und schon Berufspläne geschmiedet für später. – Jetzt ist alles anders.

Ich weiss nicht, wie das passieren konnte. Catja ist schwanger! Das passt überhaupt nicht zu meinen Plänen! Catja findet, ich solle mich nicht so aufregen – sie könne doch einen Schwangerschaftsabbruch machen. Das kommt aber für mich überhaupt nicht in Frage. Ich kann es ethisch nicht verantworten. Aber jetzt Vater werden? Zu diesem Zeitpunkt? Mein Kopf brummt. Ich muss alles mit jemand Neutralem besprechen können, der sich auskennt.